„Das hat mir komplett den Boden unter den Füßen weg gezogen…“ // „I felt like someone pulled the rug right under my feet…“

Im heutigen Interview haben wir mit einer Mutter gesprochen, die in ihrer Schwangerschaft durch Höhen und Tiefen gegangen ist, bei der während der Geburt nicht alles nach Plan verlief und die heute wie eine Bärin für ihren kleinen Goldschatz kämpft.

Bevor wir loslegen, kannst Du dich bitte kurz vorstellen?
T: Aber klar. Ich bin Tine und bin 28 Jahre alt.

Du hast auch ein Kind, richtig?
T: Ja, ich habe einen kleinen Sohn, er ist jetzt 2 Jahre alt und hält uns ganz schön auf Trapp.

Erzähl mal, wie war denn Deine Schwangerschaft?
T: Die war ein totales auf und ab. Als ich gemerkt habe, dass ich schwanger bin, waren wir total happy. Es war auch alles ok, so bis zur 22. Schwangerschaftswoche. In der 22. Schwangerschaftswoche hat mein Frauenarzt zu mir gesagt, dass irgendetwas nicht stimmt. Das hat er bei einer Ultraschalluntersuchung gemerkt. Ich habe total Angst bekommen. Mein Frauenarzt konnte nicht genau erkennen was genau los ist und hat mich dann in die Frauenklinik überwiesen. Am nächsten Tag hatte ich dann da schon einen Termin und habe eine 3D-Ultraschalluntersuchung bekommen. Da habe ich dann auch erfahren, dass ich einen Jungen bekomme. Dort hat man dann festgestellt, dass im Kopf meines Kleinen eine Wasseransammlung ist, die da nicht hingehört. Es war zu viel Wasser, der Druck war zu hoch. Man hat dann zuerst vermutet, dass der Kleinen einen Wasserkopf hat. Das hat mir komplett den Boden unter den Füßen weg gezogen, da war ich fix und fertig. Man hat mir angeboten, eine Fruchtwasseruntersuchung zu machen, es wurde vermutet, dass der Kleine schwerstbehindert ist. Man hat mir auch angeboten, dass ich die Schwangerschaft abbrechen kann, wenn ich das wolle. Eine Woche später hatte ich dann noch mal einen Termin und bis dahin sollte ich mich entscheiden, ob ich die Fruchtwasseruntersuchung machen lassen, oder ob ich sogar einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen wollte.

Ihr habt das Baby bekommen, warum hast du dich für das Baby entschieden?
T: Mein Mann und ich sind gläubig, der Kleine war und ist ein totales Wunschkind, wir wollten das Baby mit allen Konsequenzen.

Wie ging es dann weiter?
T: Ich war dann alle 14 Tage beim Frauenarzt. Im ungefähr 7. Monat sagte der Frauenarzt dann, dass sich die Wasseransammlung im Kopf normalisiert hätte. Für uns war dann die Hoffnung da, dass wir doch ein gesundes Kind bekämen. Die Kontrollen waren dann bis zur Geburt alle 14 Tage. Der Kleine hat sich kräftig, gesund und völlig normal entwickelt. Das war ein emotionales Auf und Ab.

Und dann kam die Geburt, wie hast du diese erlebt?
T: Ich hatte eine natürliche Geburt.

Warum hast du dich mit der Vorgeschichte denn für eine natürliche Geburt entschieden?
T: Nichts sprach zu diesem Zeitpunkt gegen eine natürliche Geburt. Das habe ich zusammen mit meinen Ärzten entschieden. Zu diesem Zeitpunkt hieß es: Das Kind ist gesund.

Wie war denn die Geburt?
T: Um 2 Uhr morgens haben die Wehen angefangen, so gegen 5 Uhr bin ich dann in die Klinik. Irgendwann bin ich dann in den Kreißsaal gekommen. Mein Kleiner und ich wurden dann untersucht, alles war OK. Die Hebamme hat dann meinen Muttermund abgetastet, der war da schon 3 cm geöffnet, alles war normal. Ich bin dann eine ganze Weile den Gang hin- und hermarschiert. Die Hebamme hat mich dann gefragt, ob ich in die Geburtswanne möchte, das habe ich dann gemacht. Das hat mich total entspannt. So um 12 Uhr bin ich dann aus der Wanne in den Kreißsaal. Und dann kamen schon die Presswehen. Um halb 1 war mein Kleiner dann auf der Welt.

Wie war das für Dich, als Du Deinen Sohn das erste Mal gesehen hast?
T: Es war so, dass ich den Kleinen die erste Stunde gar nicht gesehen hab. Er hatte sich während der Geburt die Nabelschnur zweimal um den Hals gewickelt und war total blau. Er ist dann in ein Sauerstoffzelt gekommen. Nach einer halben Stunde hat sich seine Sauerstoffsättigung dann normalisiert.

Also hattest du nicht das typische Glücksgefühl nach der Geburt?
T: Er war halt einfach weg! Ich war total verstört. ich war ja auch total fertig nach der Geburt und habe das alles irgendwie nicht so richtig verstanden. Ich hab immer gefragt, wo der Kleine ist. Die Ärzte haben mir gesagt, dass alles OK sei, dass er im Sauerstoffzelt sei.

OK, wie ging es dann weiter?
T: Nach ungefähr einer Stunde habe ich den Kleinen dann bekommen, er war total blass. Aber ich war einfach nur happy, dass ich ihn endlich bei mir hatte. Es schien auch alles normal zu sein. Er hatte keinen Wasserkopf und auch bei der ersten Untersuchung hat man nichts Unnormales feststellen können, wir waren total happy über ein gesundes Baby. Und das bei der Vorgeschichte.

Jetzt hast Du ja vorhin gesagt, der Kleine hält Dich ganz schön auf Trapp. Wie hast Du das gemeint?
T: Nach ungefähr einem halben oder dreiviertel Jahr dachte ich dann, da stimmt was nicht. Ich habe andere Kinder in seinem Alter gesehen und die waren von der Bewegung her viel weiter. Sie haben sich gedreht und sind gekrabbelt. Sie waren körperlich einfach stabiler. Ich bin ständig zum Kinderarzt, der hat mich dann immer vertröstet von wegen: Das ist ein Junge… Das ist ein Spätzünder… Ich habe immer gesagt, dass ich Krankengymnastik für den Kleinen will, ich wusste einfach, es stimmt etwas nicht. Der Arzt meinte dann, ich soll nicht hysterisch werden, alles in Ruhe angehen lassen und meinem Kind zeit geben. Er hat mir dann keine Krankengymnastik verschrieben. Dann, mit so circa einem Jahr hatte er dann einen Fieberkrampf. Wir sind sofort in die Kinderklinik gefahren und da hat er dann Nervenwasser gezogen bekommen.

Was hat man denn dort genau festgestellt?
T: Man hat dort festgestellt, dass er eine linksseitig spastische Lähmung hat. Die Ärzte im Kinderkrankenhaus waren dann total geschockt, dass er noch keine Krankengymnastik bekommen hatte. Ich war an den falschen Kinderarzt geraten.

Haben die Ärzte feststellen können, woher diese spastische Lähmung kommt?
T: Man geht davon aus, dass sie durch den Sauerstoffmangel herrührt, da er ja die Nabelschnur bei der Geburt um den Hals gewickelt hatte.

Wie geht es denn dem Kleinen jetzt?
T: Mittlerweile geht es ihm gut. Er kann laufen, er zieht zwar leicht den linken Fuß hinter sich her aber er tobt ganz normal mit anderen Kindern draußen rum. Ich mache drei mal am Tag Gymnastik mit ihm und gehe einmal die Woche zur Kinderkrankengymnastik. Was ihm total gut tut ist Bobbycar-Fahren. Da muss er die rechte und linke Körperseite gleich stark nutzen. Wir gehen 2 Mal die Woche schwimmen. Er bewegt beim Schwimmen jedes Körperteil und strampelt wie ein kleiner Fisch. Das hilft ihm unglaublich in seiner Entwicklung.

Jetzt im Nachhinein, würdest du noch mal eine natürliche Geburt haben wollen?
T: Im Nachhinein denke ich, dass ein Kaiserschnitt besser gewesen wäre. Man hat bei der Geburt von ihm halt nicht erkannt, dass er die Nabelschnur um den Hals hatte. Aber wenn ich das vorher gewusst hätte, dann hätte ich auf einen Kaiserschnitt bestanden.

Vielen Dank für Deine offenen Antworten!
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For today´s interview we were talking to a mother who had severe ups and downs during her pregnancy, whose childbirth was problematic and who fights for her child till today.

Before we start, can you please introduce yourself?
T: Sure! My name is Tine and I am 28 years old. I have a little son that keeps us quite busy. He is 2 years old.

Tell us, how was your pregnancy?
T:My pregnancy was a series of total ups and downs. When I learned that I was being pregnant, I was totally happy. Everything went smoothly until pregnancy week 22. In my 22. week of being pregnant my gynecologist told me, that something wasn´t right. He noticed that at an ultrasonic testing. I was out of my mind scared. My gynecologist couldn´t really tell what was going on, so he assigned me to a gynecological hospital. I went there right the next day and got a 3D-ultrasonic testing. That´s when I discovered we were having a boy. The doctors there discovered that in my little ones´ head was a fluid detention that should not be there. There was too much water, the pressure was too high. The doctors first assumed, that my baby was going to have a hydrocephalus. I felt like someone pulled the rug right under my feet, I was bushed. The doctors offered to do an amniocentesis, they assumed that my babyboy was severely disabled. The doctors also offered a determination of pregnancy.. One week later I had an other appointment in that hospital and until then, I had to decide even if I want an amniocentesis or even a determination of my pregnancy.

You kept your baby, why did you decide for it?
T: My husband and I both are religious, our babyboy was and still is a planned child. We wanted to have that baby with all the consequences that might come along.

How did that all go on?
T: From that point on, I had to see my gynecologist every two weeks for check ups. Then, at about the 7th month of pregnancy, my gynecologist discovered the fluid retention in my babyboys´ head had normalized. We were very hopeful, that after all our little one might be healthy. And yes, my baby then developed strong, healthy and totally normal. That was a big emotional up and down.

And then you delivered your baby, how did you experience that?
T: I had a natural birth.

With your pregnancy history, why did you decide on having a natural birth?
T: At that point, there was nothing to be said against a natural birth. I decided that together with my doctors. At that point in time they told me: That child is healthy.

How did you experience the childbirth?
T: It was about 2 a.m. when contractions started, at about 5 a.m. I went to the hospital. When i was brought to the delivery room, the midwife checked on my baby and on me. Everything was OK. The midwife then examined my cervix, everything was fine and totally normal. I was walking up and down the hallway for some time. The midwife asked me, if I wanted to try out the birthing pool and I did. That was totally relaxing. Then, at about 12 o´clock I went to the delivery room again. The bearing-down pains started and at half past 12 my little boy was born.

What did you feel, when you saw your son for the first time?
T: I didn´t see him for like one whole hour after giving birth. During the birthing process his umbilical cord twisted around his neck and throat two times. He was totally blue. The doctors took him directly to an oxygen tent for recovery. After about half an hour his oxygen saturation normalized.

So you did not feel that typical joy after giving birth?
T: He simply was just gone! I was totally confused. I was very exhausted after the birth and I didn´t get what was going on. I asked again and agein where my child was. The doctors told me that everything is OK and that he is in an oxygen tent for recovery

OK, how was it going on from there?
T: After about one hour I finally got my little baby, he was so pale. But I was unbelievably happy, that I could finally hold him. Everything seemed normal. He did not have a hydrocephalus and also the first examinations didn´t show any abnormalities. We were so happy that our child is healthy.

In the beginning you said, that your little boy keeps you quite busy. How did you mean that?
T: After about half a year I thought: Something is wrong. I saw other babies his same age being much further in their physical development. They turned, they started to crawl. They were physically more stable than my babyboy. I was constantly telling his doctor but he just said: He is a Boy, he is a late bloomer. I told him that I want physiotherapy for my child. I just knew, something was off. The doctor told me not to be hysterical and to be more patient. Then, when my boy was about 1 year old he was having febrile seizures. We went to the hospital right away. There they examined his liquor.

What did the doctors find out?
T: They found out, that he has a spastic paralysis on the left side of his body. The doctors in the hospital couldn´t believe that he didn´t get any physiotherapy up to this point. I had seen the wrong pediatrist the whole time.

Did the doctors find out, why your son has this spastic paralysis?
T: They assumed that it was because of his lack of oxygen during birth.

How is your little son today?
T: He is fine. He can walk nearly normal. He still has some trouble with this left foot, but he plays just totally normal with other kids. I´m doing exercises 3 times a day with him and once a week we are going to physiotherapy. I support all kinds of activities where he has to use his right and left site equally, like driving his bobbycar. We are going swimming twice a week. When he swims, he moves his whole body, he moves like a little fish. That all helps him in his development.

When you look back, would you want to have an other natural birth?
T: When I look back I think a C-section would have been better. If I would have known that his ambilical cord was around his neck, I totally would have wanted to have a C-section.

Thank you for your open answers!
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